01-06-2026

Gute Vorsätze für die Leistungsbewertung im 2026

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Lobke Spruijt

Die Weihnachtsferien liegen hinter uns. Für viele Bildungsfachkräfte waren sie eine willkommene Gelegenheit, nach der intensiven Prüfungsphase kurz durchzuatmen – oder bereits den Blick nach vorn zu richten auf eine neue Runde von Prüfungen, die schon bald wieder beginnt.

Für mich fühlt sich der Jahresanfang wie ein logischer Moment an, innezuhalten und zu reflektieren. Ähnlich wie in einem PDCA-Zyklus lädt diese Zeit dazu ein, zurückzublicken und gleichzeitig vorauszuplanen. Welche Schritte haben wir unternommen? Wo sind wir auf Herausforderungen gestoßen? Und welche guten Vorsätze können dabei helfen, Prüfungen im Jahr 2026 noch besser zu organisieren?

In Gesprächen mit Prüfungskoordinator:innen, Prüfungsämtern, Lehrkräften und Bildungsfachleuten tauchen immer wieder dieselben Themen auf. Vielleicht erkennen Sie sich darin wieder. Im Folgenden teile ich meine sechs guten Vorsätze:

1. Den Entwicklungsprozess von Prüfungen verbessern

Viele Bildungsteams erleben, dass die Entwicklung von Prüfungen noch zu stark fragmentiert ist. Fragen liegen in einzelnen Dokumenten, Prüfungsraster gehen verloren und oft ist nicht eindeutig, welche Version aktuell ist. Das sorgt nicht nur für Unruhe, sondern führt mitunter auch zu Qualitätsunterschieden zwischen Prüfungen.

Ein sinnvoller Vorsatz für 2026 kann sein, den Entwicklungsprozess bewusst neu zu betrachten. Was funktioniert gut? Wo stockt es? Und welche Schritte könnten mehr Ruhe, Klarheit und Zusammenarbeit schaffen? Vereinbarungen zu Feedback-Zeitpunkten, Zuständigkeiten bei der Bewertung oder zum Versionsmanagement können bereits einen großen Unterschied machen. Kleine Prozessabsprachen haben oft eine große Wirkung.

2. Prüfungsqualität dauerhaft sichern

Der Wunsch, die Prüfungsqualität zu stärken, ist in vielen Gesprächen präsent. Teams wissen sehr genau, dass Prüfungen regelmäßig aktualisiert werden sollten – in der Praxis fehlt dafür jedoch häufig die Zeit. Zeitmangel, personelle Wechsel oder andere Prioritäten spielen dabei eine große Rolle.

Vielleicht ist dies ein guter Moment, feste Termine einzuplanen, an denen Prüfungsfragen gemeinsam betrachtet werden. Nicht nur inhaltlich, sondern auch im Hinblick darauf, ob sie noch zu den Lernzielen passen – und beispielsweise auf Basis von Studierendenleistungen. Analyseergebnisse können helfen zu verstehen, warum eine Frage gut funktioniert oder eben nicht. Gemeinsame Reflexion verbessert nicht nur die Prüfungsqualität, sondern stärkt auch das Bewusstsein für eine gemeinsame Verantwortung innerhalb des Teams.

3. Den Fragenpool strukturieren und aktualisieren

Viele Institutionen verfügen über einen umfangreichen Fragenbestand, der über Jahre hinweg aufgebaut wurde. Ohne klare Struktur wird dieser Schatz jedoch schnell unübersichtlich. Gute Fragen sind vorhanden, lassen sich aber nicht immer leicht wiederfinden.

Ein wertvoller Vorsatz kann sein, die Pflege des Fragenpools aktiver anzugehen. Das muss nicht sofort groß angelegt sein: Schon die Überarbeitung eines einzelnen Themenbereichs oder Moduls erleichtert die Arbeit erheblich. Durch klare Absprachen zur Kategorisierung, Aktualisierung und Verwaltung von Fragen – etwa mithilfe zusätzlicher Metadaten – entsteht Schritt für Schritt ein verlässlicher und zukunftssicherer Fragenpool.

4. Neue Prüfungsformate erproben

Immer mehr Teams beschäftigen sich mit Prüfungsformaten, die besser abbilden, was Kandidat:innen tatsächlich können müssen – nicht nur, was sie wissen. Anwendungsorientierte Prüfungen oder Fallbeispiele mit unterschiedlichen Medienformen unterstützen dies, erfordern jedoch auch Übung und Experimentierfreude.

Vielleicht ist 2026 ein guter Zeitpunkt, als Team ein neues Prüfungsformat auszuprobieren. Schon ein kleiner Pilotversuch kann wertvolle Erkenntnisse liefern: Funktioniert dieses Format für unsere Lernenden? Welche Unterstützung benötigen sie? Und was bedeutet das für die Lehrenden? Wer klein anfängt, kann sorgfältig lernen und nachhaltig wachsen.

5. Die Sicherheit von Prüfungen kritisch hinterfragen

Mit der zunehmenden Digitalisierung und hybriden Lehrformen gewinnt die Prüfungssicherheit immer mehr an Bedeutung. Dabei geht es nicht nur um Betrugsprävention, sondern auch um Fairness und Verlässlichkeit im Prüfungsprozess.

Es kann sinnvoll sein, die bestehenden Durchführungsrichtlinien gemeinsam zu überprüfen: Welche Regelungen gibt es? Was funktioniert gut? Wo bestehen Herausforderungen? Und welche technischen oder organisatorischen Maßnahmen könnten unterstützen? Regelmäßige Evaluation hält das Thema Sicherheit fest im Rahmen der Qualitätssicherung verankert.

6. Die Möglichkeiten von KI erkunden

Künstliche Intelligenz hat im Jahr 2025 große Fortschritte gemacht, und auch im Bereich der Prüfung eröffnen sich neue Möglichkeiten zur Unterstützung von Prozessen. Denken Sie etwa an die Verbesserung von Fragestellungen, das Erkennen von Mustern in Analysen oder die schnellere Bewertung offener Fragen.

Viele Institutionen möchten sich damit beschäftigen, suchen jedoch noch nach einem sicheren und verantwortungsvollen Einstieg. Vielleicht ist das ein passender Vorsatz: Wählen Sie ein konkretes Einsatzfeld, in dem Sie KI erproben möchten – zum Beispiel bei der Überarbeitung von Fragen oder der Analyse von Prüfungsergebnissen. Beginnen Sie klein, reflektieren Sie gemeinsam und beobachten Sie, welchen Mehrwert es bringt.

Und Sie?

Welche guten Vorsätze haben Sie für das Jahr 2026 in Bezug auf Prüfungen?
Mehr Übersicht im Prozess, tiefere Einblicke in Daten oder vielleicht mehr Raum für Experimente?

Prüfen ist niemals abgeschlossen – es ist ein kontinuierlicher Zyklus, in dem stetig Verbesserungen möglich sind und neue Ideen „getestet“ werden dürfen. Ich bin gespannt, welche Schritte Sie im kommenden Jahr gehen möchten. Lassen Sie es mich gerne wissen – ich denke gerne mit Ihnen mit.